Arkadij Dragomoščenko

Dragomoščenko wurde 1946 in Potsdam geboren, wo sein Vater als Offizier in der Armee diente. Ein Foto aus der Zeit zeigt ihn als Wickelkind vor dem ausgebrannten Reichstag. Er verbrachte seine Jugend in Winnyzja in der Ukraine. In seinen durchgehend auf Russisch geschriebenen Gedichten spiegelt sich mit der Weichheit ihrer Sprache, ihrer Musikalität und Dunkelheit, mit ihrer Belesenheit und Vorliebe für Symbole das ukrainische barocke Erbe wider. Die üppigen, staubigen Sommer der Ukraine bilden die namenlose Landschaft seiner Eklogen.
1969 begann Dragomoščenko an der Theaterschule in Leningrad zu studieren und plante dauerhaft in der Stadt zu bleiben. Er wurde zum Underground-Poeten, verlegte selbst Hefte mit seinen Texten und arbeitete mit Samisdat-Zeitschriften zusammen. In den frühen Achtziger Jahren versuchte er sich mit den Behörden zu arrangieren und die Samisdat-Kultur zu legalisieren, indem er Mitglied der literarischen Gesellschaft Club 81 wurde. Trotzdem erschienen seine ersten offiziellen Publikation erst während der Perestroika.
1983 lernte Dragomoščenko die amerikanische Dichterin Lyn Hejinian während ihres Leningradbesuchs kennen. Der Vorschlag eine Korrepondenz zu beginnen, über das Fehlen jeder gmeinsamen Sprache hinaus, führte zu Jacki Ochs Dokumentarflm Letters Not About Love. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs begannen Arkadii und Lyn gemeinsam amerikanische Dichter in die Sowjetunion und ihre russischen Zeitgenossen in die Vereinigten Staaten einzuladen. Wie sich herausstellte, sollte ihre Begegnung 1983, soweit es die experimentelle Linie betrifft, zu einem der folgenreichsten Ereignisse gegen Ende des Kalten Krieges werden.
1990 erschienen die ersten beiden Bücher Dragomoščenko: auf Russisch Nebo sootvetstrvii und auf Englisch Description (in der Übersetzung von Hejinian und Elene Balashova. Auf diese Bücher folgte Xenia (zugleich in beiden Ländern und beiden Sprachen) mit einer Lesereise durch die Staaten und Lehraufträgen in New York und Kalifornien.
Im wieder umbenannten Sankt-Petersburg begann Dragomoščenko Anhänger und Geistesverwandte zu finden, die in ihm einen Hauptvertreterr der in Russland zunehmend an Bedeutung gewinnenden Schule der Dekonstruktion und des Poststrukturalismus sahen, wurde aber áuch zum Ziel von Angriffen seitens der Traditionalisten. Dragomoshchenko verdiente sein Geld als Lehrer, Herausgeber, Zeitungsautor, Lektor und sogar als Schriftsetzer. Er wurde in alle großen europäischen Sprachen übersetzt und ist weltweit auf Poesie-Festivals aufgetreten. Daneben übersetzte er zeitgenössische westliche Autoren, vor allem amerikanische Dichter. Seine letzte Buchpublikation erschien bei Oxford University Press auf Chinesisch. Er starb am 12. September 2012. [QUELLE: Eugene Ostashevsky]

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»Algen gab es da – phrygisch, Pentatonik von Kleinigkeiten, / du warst dir selbst bewusst, und wolltest eine Jacht / vor Anker legen in einem Wasserloch, seine Tiefe / überstieg dich (du hättest dich darin verschluckt).« Für Arkadij Dragomoščenko ist Sprache nichts, das schon immer benutzt und in Besitz genommen wurde, das vorgeformt und präfiguriert wäre. Im Gegenteil, Dragomoščenko betont: Sprache kann nicht besessen werden, denn sie ist immer unvollständig«. »Je est un autre, die Poesie ist immer woanders.« Drei Elegien in drei Sprachen. 



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KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954


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