# 006/ Eine von uns ist die Frau


DIE SPRACHTERRORIST_INNEN

 

Demokratie und freiheit sind zwei begriffe, die fast immer zusammen erwänt werden, aber der eine begriff hat nich unbedingt was mit dem andren zu tun. In einer diktatur hat ma nur die freiheiten, die eim die herrschenden gewären, was selten für die merheit schlimm is weil diktatoren sich selten gegen merheiten stellen - nur ganz dumme diktatoren wissen nich, dass ma damit ein verlust an macht riskiert. In einer demokratie hat ma nur die freiheiten, die eim die merheit gewärt. Und die scheint immer weniger gewillt, minderheiten freiheiten einzugesteen. Nich nur das rauchen wird stark eingeschränkt, auch gegen den alkohol macht ma mobil: in manchen ländern dürfen tankstellen ab bestimmten urzeiten kein alkohol mer verkaufen, in andren darf man in bestimmten verkersmitteln nich mer saufen - frei is ma natürlich nur, pillen zu schlucken, die in eim farmalabor hergestellt werden. Aber nich immer werden merheiten vom kapital gesteuert, sie werden auch von scharfmachern in der politik stark beeinflusst, die ein feindbild erfinden um die leute auf ire seite zu versammeln. Im Deutschland der 30er jare waren die feinde die juden, im Europa des 21. jarhunderts die muslime (meistens auch semiten, das heisst araber). Ma stempelt 2 miliarden menschen als terroristen ab, und in manchen ländern gibt es nich nur ein verbot für zuwenig kleidung, sondern auch gleich ein verbot für zuvil kleidung, wie zum beispil die burka in Frankreich und Belgien. Ein verbot im namen der freiheit: da nich auszuschliszen is, das die muslimischen fraun zum burka-anzin gezwungen werden, verbitet ma die burka. Es gab mindestens ein fall, in dem eine mutter ihr kind gezwungen hat, soviel salz zu essen, bis das kind tot hinfiel, also könnte man auch das salz verbieten, um solche zwänge vorzubeugen. Tut man aber natyrlich nicht, weil die grosze mehrheit salz konsumiert. Es gibt dann noch verbote, die aus dem heiteren himmel zu kommen scheinen, wie das essverbot in den wiener bussen und trambahnen, nach dem motto: 1 leberkäs-esser, 40 mitriecher! Yber die ganze geschichte der menschheit war essensgeruch was gutes, man hat sich daryber gefreut, aber manche leute beschweren sich heutzutage yber alles, und da denkt sich die verwaltung, verbieten wirs doch, dann wird die reinigung billiger. Manche verbote lassen sich noch weniger erklären: in den USA darf man viele behörden und restaurants weder parfymiert noch deodoriert betreten. Ich kann mir kaum vorstellen, das man eine umfrage gemacht und festgestellt hat, das eine mehrheit fyr ein solches verbot is. Aber wir leben nich in einer demokratie, sondern in einer gestörtokratie. Wenn 100 leute auf einer party feiern und 1 nachbar sich gestört fylt, kommt die polizei und zerstört das vergnygen von 100 leuten. Der gestörte hat immer recht. 

 

Dann wären noch da die wortschaz-verbote. Das gab es auch in meinem elternhaus - unanständige wörter waren tabu, weil meine eltern fromme baptisten waren. Wie froh war ich, als ich das elternhaus verlassen hab und den mir zur verfygung stehende wortschaz frei benuzen durfte! Und jez kommt mir diese neue religiosität daher, die kein gott braucht, aber sprachverbote. Angeblich um gewisse minderheiten zu schyzen. Neger, eskimo, zigeuner - darf man alles nich mehr verwenden, weil sie teilweise in einem negativen sinn gebraucht werden. Ärgerlich is, das die verbote die warheit verzerren. Die ersazwörter, die ma gebrauchen soll, sind ganz einfach falsch. Tuaregs und tamilen zum beispiel sind schwarz, aber keine neger. Ein inuit gehört zu eim der eskimo-fölker, aber wenn man 'inuit' fyr 'eskimo' gebraucht, schliszt ma die andren eskimo-fölker aus. Manche brasilianer sind stolz, das Brasilien angeblich das einzige land is, das schon ein zigoinerstemmigen presidenten hatte: den erbauer fon Brasilia, Juscelino Kubitschek. Und ich soll da sagen, er stammte fon sinti und roma, was einfach eine lyge wer, da die fast eine milion brasilianishe zigoiner nur selten fon sinti oder roma stammen. 

 

Und dann wer noch da die djenda-korekthait, oda das, was ma fyr korekthait helt. Wörta, die verschiedene eigenschaften von menschen bezeichneten, wie 'die franzosen' oda 'die politiker', waren normalaweise geschlechtsneutral gedacht, wie die englischen wörta 'the french' oda 'the politicians'. Bei nationalitäten dachte man an männer und frauen, bei berufen aussahalb des hauses meistens an männa, weil sie mit a par ausnahmen nur von männan ausgeübt wurden. Das hat sich vor allem im letzten jahrhundat geända, und manche berufe wie zum beispiel lehrer und andere soziale berufe sind keine männadomäne mehr. Bei der politik werden die männa proportional imma weniga - man brauche keine mannliche un testosterongeladene könige mehr, die mit ihren soldaten in den krig zihn, um andre lande zu eroba, sondan menshen, die die vershidenen strömungen in der politik un in der gesellshaft einigamaszen auf a gemeinsamen nenna bringen kannen, das heisst menshen mit sozial intelligenz, un vermutlich han fraun mehr davon als menn. So denke kaum jeman heutzutage nur an menne, wenn er das wort 'die politiker' hört, so wi englander kaum ausshliszlich an menne denke, wenn si das wort 'the politicians' hören, erst recht nicht als Margaret Thatcher das land regiert hat. Auch mir kommt erstmal das bild von a frau, wenn ich das wort 'die politiker' hör, weil der statschef in Deutshland (wi auch in meinem land Brasilien) seit einigen jahren a frau is. Un a mensh müssat shon a par srauben loka han, um bei der slagzeile 'Studenten streiken für weniger gebühren' auf die idee zu kommen, die fraun sein unkooperativ un streikbrecher(innen). O wer keme shon auf den gedanken, den satz 'Brasilianer sein cool' so zu versteen, dass nur brasilianishe menne cool sein? Klar, wenn jeman von a fussballmannshaft behauptet, die spilis spilen wi die brasilianer, werd jedi an mannli spilis denken, aba wenn die rede von brasilianishen volliballspilis is, werd wenistens ich als mann eer an fraun denken. Da hab ich eben a shöna bild im kopf.  

 

I maket mal a statistik in mereren texten von zeitungen un bük, un stellet fest, dass in über attzi prozent der fälle solche wörte für beide geslechte sten, un in weniga denn 20% nur für menn. Leida hat deutsh en endung für weibli wesen, die das englishe nur ser selten hat (waiter/waitress), dazu keine spezial endung für menn, un so kamen die deutshen feministas zum sluss, dass dise wörte nit nur gramatikalish mannli sein, sondan au biologish. Si wollten nit mer mitmeinet sein, sondan extra erwenet werden. PolitikerInnen, politiker/innen, neuadings au politiker_innen, un in der Uni Leipzig sreibe ma nur noh 'politikerinnen' - die politikos werde mitmeinet. Aba was is mit die kindis, an die ma selten denkt? OK, politikis darfe dey nit als mindajaris werd, sollat man aba nit en endu für si anheng, zu beispil bei 'die franzosen' o 'die spanier'? Die franzo/ö/s/innen/chen un die spanier_innen_chen? Was is mit die leuti, deren geslecht biologish unentshiden bleibt, sollat nit au für demm sorget werd? Wi wers mit '-unnen'? Auf dem fest waren BelgierInnenUnnenChen un Schwed_innen_unnen_chen? Jedenfalls sollat es au feministas gebe, die nit nur für die rechte der eigen untadrüket gruppe kempfe, sondan au für die rechte von andre untadrüket gruppen, wi zu beispil die der tiris. Un so kannat man auk a satz wi 'In der Schweiz sind alle kühe gefleckt' nimma durlass. Es mussat natural heisse, "In der Schweiz sind alle StiereBullenOchsenKüheKälber gefleckt". Da wir nit wiss ob alle kü sik als weiblik empfind un alle stiros als mannli, empfelat es sik au, die -unnen-endu dazu zu sreib: In der Schweiz sind alle StiereBullenOchsenKüheKälberUnnen gefleckt. Warum einfa, wenn es kompliket au ge?

 

Die männlichen schweizer und türken könnten sich widerum dagegen wehren, dass ihr land weiblich is: die Schweiz, die Türkei. Sollte es nicht 'der/die Schweiz', 'der/die Türkei' heissen? Und sollten sich nicht alle männa dagegen wehren, dass sie zusammen a weiblichen artikel becommen - 'die' männer, 'die jungs'? Warum nicht 'der männer', 'der jungs'? Clar, 'der mensch' is shon wida so a zeichen da mannlichen dominanz, es müssat eigentlich 'der/die Mensch/in' heissen. Andraseits heisst es 'die Person', un die manne cannen sich nicht amal dagegen wehren, weil es im deutshen für mannlich kein entsprechend endung gibt. Höchstens cannat man sagen, "der/die männliche/weibliche Person", damit sichastellet werden cann, dass der leser nicht unbedingt an a frau denkt. 

 

Comishaweise werd oft bei negativ besetzten wördern auf die weiblich endung verzichtet, zum exemple screibe man fil seltena 'die terrorist/innen', 'die spion_innen' o 'die sexualtäter/innen'. Wenn shon alles genderet werd, wiso nit au da? Doh nit egalitee für alli? 

 

Keine frag: wenn man politikis bzw. amtis einstellt, die für gleistellung sorgen sollen, werden si ir werk dun un für mer papirverswendung sorgen, indem si mit iren -innen für a wundasame vermerung da lettras in der deutshen sprake sorgen (als wer si as langste sprak Europas nit lang genuh). Si cannen nit undädi rumsitzen un sagen, es bestee kein bedarf, etwas tu dun. Shuld sein ea die politikis, die soche posten übahaupt creare.  

 

In mei screibsistemas, die nur el ortografie enda, wi wunschdeutsch un ultradoitsh-S, bleibt alles beim alten: die polen, die russen und die schüler (im wunschdeutsch) bzw. die shyla (im ultradoitsh, wo alles möglichst fonetish is). In mei screibsistemas, die die gramatik un somit au die prononcerung enda, wi ultradoitsh-U un kaudadeutsh, is die regel: -a pro weibli, -i pro neutral, -o pro mannlik un -u pro dingli. Die studa is a studentin, die studi is a student/in, die studo is a männlicher student, die studu is die studie o das studium - dafur gibt es in andre linguas au nur ein word (in english pro exemplo 'the study'). Die Stadtwerke musse nit mer anonsus make mit die sentense 'Wir suchen Busfahrer/innen': es reiche sho 'Wir suke bussis'. Dat is zwar a geslettgerette lingua, aber es is eben a neu sisteem un kei rumfliken in el ole sisteem. Dazu is es curt un simple. Wenn ma shon -a pro weibli hav un -o pro mannli, lige die sluss na, dat man -i pro neutral nem, aussadeem wer -o definitiv tu mannli pro a neutral endu. Last but not leest, es gibe shon a par fälles mit -i in die normale lingua or in die slang: die israelis, die studis, etc.

 

Un da gib es sogar a pronome pro er/sie: li. In deutsh say ma "Jemand ist ins haus eingebrochen, er muss durch die hintertür gekommen sein". Sluss mit die discriminacion! Wieso soll el criminellis imma männli sei? In kaudadeutsh heiss es 'Jeman breket in die haus ein, li muss dur die hintador comme ha'. Dat gilt overall wo ma die geschlecht da betreffeti nich kenn, pro exempel 'I ha die miau se, li pisset vo die baum auf die wauwau'. O: "Wenn Godd existee, dann wett i dat li kein schwanz ha". Aussadeem is el article imma 'die', dat sollte die feministas freu. Ich namet es weil es el einzig article is, dat in a vocal end, also is es spikifreundlicha, und weil es die häufigst article is - es is overhaup die häufigste word in die deutshe lingua.

 

Leider ha so ein sisteem wie kaudadeutsh kaum eine chance: wenn el oficielle  ortografiereform, die 0,46% des textes ändert, miliarden stunden discucion verursachte und 20 jare brauchte, um definitiv etabliert tu werden, dann kann man imaginieren, wie das wär mit einer reform, die 70% des textes ändert, und nich nur in der ortografie sondern auch in der gramatik und in der gesprochenen sprach eingreift: das könnte kommen, aber sicher nich bevor die sonn erlischt. Klar, ma könnte nur eine kleine a-i-o-reform machen, aber vereinfachung scheint hir nich ser erwünscht zu sein. 

 

Ach so ja: wenn ich einer frau ein complimentu mach, dann mein ich es als compliment. Ich freu mich über complimentus von andris, und es gibt genügend fraun, die sich auch darüber freun. Es wär ja schade, wenn sie keine complimentus mer hören dürften, nur weil manche fraun es als sexuelle belästig auffassen könnten - ma kann es immer etwas übertreiben.   



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KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954