# 005/ Babylonische Leiter


illuminations

Catherine Hales, übersetzt von Konstantin Ames

 

history lesson

Beim Laden der Seite ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal.



cherish this     light coming on    understanding
the deep conceit that’s the thing      just
for effect      & cause as well            armies
manoeuvring on a thistly hillside with nothing to drink & stones
in their shoes       wheel about        pikes flash
but it’s clouding over & all the glamour’s
leaching from the scene     cut         add music

who’s monitoring this          splicing loose ends
together to make a continuous narrative
just won’t wash     get the story straight
or the hired underlings’ll just sod off in disgust
there we have it     any general’s
only as good as his people skills      archers
gather along the curtain walls rubbing their palms

 

geschichtsstunde

verwahrs    lichter werden entzündet    um das verstehen
des hintergründigen konzettos gehts    bloß
um der gerechtfertigten wirkung willen    & dito der (ur)sache    armeen
gehen auf einer diesteligen anhöhe in stellung ohne wasser & mit steinen
in ihren stiefeln    schwenkt marsch    piken blitzen
aber wolken ziehen auf & aller glanz
entfleucht der szene    schnitt    musik dazu

wer kontrolliert das    lose enden zusammen
schnüren zu einem durchlaufenden erzählfaden
haut nicht hin    räum die story auf
sonst ziehen die gedungenen knechte angeekelt leine
da steht es doch    jeder general ist
nur so gut wie seine kommunikationskompetenz    bogenschützen
versammeln sich entlang der vorhangfassaden händereibend

 


 

illuminations
(abridging arthur rimbaud)

Beim Laden der Seite ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es in Kürze noch einmal.

no sooner had the idea of the flood dissipated
precious stones in hiding        in the wood
there is a bird whose song will stop you & embarrass you

there is a clock that does not strike
the music of the wise fails in the face of our desire
in improvised costumes with the taste of a bad dream

there is a troupe of small comedians
seen on the road traversing the edge of the wood
seen enough       the vision has dissipated in the wind

when the world is reduced to a single dark wood
for our four astonished eyes         a taste of ashes
drifting in the air    a scent of wood

a black powder raining gently recalling a pleasant taste
of chinese ink in a puddle left by last month’s flood
on a high path        grey crystal skies        a bizarre

arrangement of bridges    a sea troubled
by the eternal birth of venus       filled with orphic fleets
& the rumour of pearls & precious conches

fed on wine from the caves and biscuits from the highway
the lights & carpets of the soirée making the sound of waves
of night       along the hull intense and rapid dreams

of sentimental groups swirling their woollen robes
over grasses of steel & emerald        chariots of silver
& copper       prows of steel & silver buffeted by turbulences

in the light      by the silence of the waters
& the murderous air       this wooden bridge arched
& the other phantasmagorias among bursts of snow

green lips & the purple perfumes of the sun
at the poles the flag of bleeding flesh on the silk of the seas
& the arctic flowers the golden dawn & the freshening evening

in the history of the most elegant & most colossal
of the buildings of Italy where the barbaric crowd
moves about beneath defoliated trees     lyrical scenes

accompanied by flute & drum reclining having escaped
the horrors of our economy      playing cards
on the bed of the pond      ancient revolts

rumbling in the centre of the celestial empire then a ballet of
seas and known nights a chemistry without valency
these are the conquerors of the world in the diluvian light

a young couple moves away from the arch
is it ancient savagery that we forgive reality
being too thorny       at the foot of the baldachin

supporting its jewels set in gold following the aspirations
of the moment or even our own serious vice like the ten
months of red night preceding more violent bravuras

than this polar chaos     we will massacre the logical
revolts in the service of the most monstrous industrial
or military exploitation    certain skies have refined my gaze

the eternal inflection of moments is as simple as a musical
phrase the heat of the summer was confided to mute birds
we see passing in the tempestuous sky migrations

greater than ancient invasions & the clear song of new
sufferings      a horse bolting over suburban lawns
pierced by the carbon plague      somewhere in the world

your fortune & your peril are more than your dance
& your voice       a choir of glasses of puerile pride
the curiosity of ancient crowds will be nothing more than food

for unsuspected finds & terms
the vast unquestionable opulence that will never be sold
the sale is not over yet

 

 

illuminationen
(arthur rimbaud abriss)

kaum war die idee der flut zerstoben
edelsteine im versteck    im wald
gibt es einen vogel dessen gesang euch aufhält & euch verstört

eine uhr gibt es die nicht schlägt
die musik der weisen geht fehl im angesicht unsers verlangens
in stehgreifkostümen (beigeschmack eines schlechten traums)

es gibt eine truppe kleiner komiker
auf der straße gesehn beim überqueren des waldrands
genug gesehn    das gesicht verwehte der wind

wenn die welt auf ein einzelnes dunkles gehölz zurückgeführt ist
für unsere erstaunten augen (vier stück)    ein aschengeschmack
in der luft wabert   waldduft

schwarzer staub herabrieselt und eine angenehme note rückruft ins gedächtnis
von chinesischer tinte in einer pfütze ein überrest der flut des letzten monats
auf einem höhenweg    graue kristallhimmel    eine bizarre

anordnung von brücken    eine von venus ewiger geburt
aufgewühlte see    voller orphischer flotten
& dem raunen der perlen & edlen muschelschalen

genährt vom wein der höhlen und keksen der straße
erzeugen die lichter & läufer der soirée den klang der wellen
nachts    entlang der schale rasante und heftige träume

empfindsamer gruppen deren wollene gewänder wirbeln
über stählerne & smaragdgräser    wagen aus silber
& kupfer    buge aus stahl & silber von stürmen geschüttelt

im licht    von der ruhe des wassers
& der mörderischen luft    diese gekrümmte holzbrücke
& andere trugbilder inmitten von schneesbrünsten

grüne lippen & die purpurfarbigen parfums der sonne
an den polen die flagge blutenden fleischs auf der seidigen meeresoberfläche
& die arktischen blumen die goldene dämmerung & der auffrischende abend

in der geschichte elegantester & kolossalster
bauten Italiens wo die barbarenmasse
unter entblätterten bäumen lustwandelt    schwärmerische szenen

begleitet von flöte & trommel hingefläzt dem grauen
unserer ökonomie entflohn    kartenspiele
auf dem bett des teichs    altertümliche aufstände

grollen mitten im reich des himmels sodann ein ballett der
meere und bekannten nächte eine chemie ohne valenz
die eroberer der welt stehen im sintflutlicht

ein junges paar entfernt sich vom gewölbe
ist es wildheit von alters her dass wir der wirklichkeit
ihre dornen verzeihn    zu füßen des baldachins

um seine in gold eingelassenen juwelen zu schützen dem anhauch
des augenblicks folgend selbst unseren ernsten lastern wie den zehn
monaten roter nächte die gehen den noch brutaleren bravourstücken

als diesem polaren chaos voran    werden wir die logischen
aufstände im dienst der ungeheuerlichsten ausbeutung (industriell erzeugt
oder militärisch) niedermähen    bestimmte himmel haben meinen blick verfeinert

das ewige beugen der augenblicke ist so einfach wie eine musikalische
phrase die sommerhitze wurde stummen vögeln anvertraut
wir sehen sie in den stürmischen himmelswanderungen

großartiger als invasionen im altertum & das reine lied neuer
leiden    ein pferd prescht über das kurzgeschorene vorstadtgrün
durchdrungen von der kohlenpest    irgendwo auf der welt

wiegen eure glücksträhne & eure drangsal mehr als euer tanz
& euer stimmenpopanz    ein gläserchor ganz knabenstolz
die schaulust der massen aus alter zeit wird mehr nicht sein als speise

für unerwartete funde & begriffe
die riesige unzweifelhafte überfülle die nie verkauft sein wird
der ausverkauf ist noch im gang



Secondary menu

KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954