# 006/ Eine von uns ist die Frau


Zweite Verwendung

Armreif

Armband aus Führungsring einer Granate

Das Armband, das man der Geliebten schenkt, soll möglichst lange getragen werden.
"Kupferführungring einer französischen Granate, Gewidmet aus Feindesland 1915 in treuer Liebe, Dein Hugo" ist die Aufschrift dieses Armreifs, den besagter Hugo vermutlich am Kriegsschauplatz der Geliebten anfertigte.
Der Führungring umläuft als Band das Eisenprojektil und ist sozusagen eine Abdichtung, die dafür sorgt, daß das Projektil mit größtmöglichem Druck und Genauigkeit aus dem Lauf entweichen kann, wohingegen der liebend Schenkende sicherlich hoffte, daß die Dame seines Herzens den Reif möglichst lange tragen oder bewahren würde.

 

Lot aus Projektil

Lot aus Projektil

Abgebildet ist ein Lot, wie es im Maurerhandwerk benutzt wird, um sich an einer senkrechten Linie im Raum orientieren zu können.
So lange ein Lot auf der Baustelle hin -und herpendelt, sich bewegt, ist es noch keine Hilfe - erst wenn die Spitze des Lotes ohne Bewegung nach unten hängt, existiert eine eindeutige senkrechte Linie im Raum, an der man sich beim Errichten des Mauerwerks orientieren kann.
Der metallene Körper dieses Lotes besteht aus dem abgefeuerten Projektil einer deutschen Flak aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, das für seinen neuen Zweck leicht umgearbeitet wurde.
Interessant jedenfalls: Verwendet ursprünglich mit dem Ziel des Zerstörens von Körpern, wird es in der Zweitverwendung Hilfsmittel zum Errichten eines solchen.
Das laute, kurz hintereinander getaktete Abfeuern der Munition, das ohrenbetäubende Knallen weichen in einer neuen Existenz dem Warten auf Bewegungslosigkeit - dem Innehalten. Dabei darf das Lot den Boden nicht berühren, wohingegen das Projektil seine Funktion erst mit dem Auftreffen bzw. Eindringen in ein Objekt oder einen Körper erfüllt.

Wärmeflasche 

Wärmeflasche aus Munitionshülse

Diese vermutlich während des Zweiten Weltkriegs aus einer Munitionshülse gefertigte Wärmeflasche ist ein Bild der Gegensätze: die ursprüngliche Munitionshülse ist am Vorgang des Abfeuerns des Projektils weg von den eigenen Reihen auf den "Feind" beteiligt. Sie ist Zeugnis des Tötens und Zerstörens auf größere Entfernung, eines recht anonymen Vorgangs der Gewalt also, der als solcher typisch für die moderne Kriegsführung ist.
Die spätere Wärmeflasche hingegen zeugt von Intimität und persönlichem Umfeld. Sie wird möglichst nah am eigenen Körper gehalten, um zu wärmen.
Auf materieller Ebene wurde sozusagen in beiden Verwendungen Hitze transportiert; auf der Bedeutungsebene steht die Granathülse allein für Kälte.



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KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954