The Landing of Rochambeau / Rochambeaus Landung

Was geschieht, wer ist zu spät, das Schiff, der Capitän oder die Briefmarke? Ein Gedicht von Michael Davidson in der Übersetzung von Odile Kennel.

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The Landing Of Rochambeau


The Captain calls his crew to the deck,

we are landing, he says,

he doesn’t know what to say next

so he adds, be back by noon me hearties,

they don’t believe him

this is not Kidnapped

and he would never use the word “hearties”

besides, it is 1780, the harbor

is filled with sails,

and the postmark covers some of them.

 

The Captain has gone below to pack,

I have never landed before, he thinks,

what do I wear?

so he stands looking into the mirror,

am I Rochambeau

or is this the name of my ship

or have we arrives at last in the Port

of Rochambeau where we will strike a deal

with natives; then he remembers

it is 1780, the water is jade green.

 

The Captain is astonished to learn

that the colonies have defeated the British

because of a “Stamp Tax;” we have landed

too late, he mourns and looks out the window

to his right (our left), tall mast jut

into the Fragonard sky

against wich USA 10 ȼ is branded forever;

he approves of the lettering and decides

not to go ashore after all

but writes a postcard home:

 

We have landed, the Captain writes,

but not very well; it is 1780, and they are rowing

out to meet us; it is impossible to tell

whether we are rowing or they are rowing

or who they might be; many sails fill

the harbor and the postmark is rolling toward us

from Brooklyn on the left (my right),

please advise: this is history, and I am

caught in it without a thing to wear;

if only my name were Napoleon.

 

As it is, my life takes up

only seven lines in The Reader’s Encyclopedia

where it is clear that Washington and I

defeated Cornwallis at Yorktown

and with the French Fleet (which must explain

those sails!) forced “his” capitulation,

the entry leaves “his” a bit vague

to make the landing of Rochambeau

a surprise for both sides, including the reader’s,

who notices the pink sky of Watteau.

 

I am the Captian of this letter, which begins

Dear Home, how I miss the Lisbon Earthquake

the Jansenist purges and leeks with egg,

remember Rochambeau in a foreign port

who must be content with corn and the inflated rhetoric

in pamphlets; I look up, he looks up

we regard him pausing midhistory

for a figure of speech like the ones he used to use

when writing Mme. R. in Potsdam

like you are the author of my heart.

 

But it is 1780, and the Captain never writes postcards,

after all, he is a man of action

and knows his fleet, the harbor

in which his ships lie at anchor,

he knows the sky, so common to USA

and the water, emerald blue,

I’ll go ashore, he says, throwing down his pen

and have a drink avec mon equipage

dans les petites boites du port

I know at last what to wear.

 

For I am Jean Baptiste Donatien de Vimeur

le Comte de Rochambeau and I have landed,

the water is blood red with history,

and we are in its claws (he likes

the figure and writes it in his journal

then strides up to the deck

where the weather is clear)

“Lower the boats,” he cries to a sailor,

“I will go ashore to the Bronx

where my name will be streets and parks.”

 

But there is no sailor to hear him,

the deck is empty, and the postmark

covers most of the fleet;

it has turned cold since Rochambeau landed,

and when the French learn war USA 10 ȼ means

they will cut off his title, le Comte

no longer, only a name

in a time on a stamp on a card

for a reader who turns away from 1780

and remembers the water, white as their eyes.

 

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Rochambeaus Landung

 

Der Käpt’n ruft die Crew an Deck,

wir legen an, sagt er,

weiß nicht, was er als nächstes sagen soll

und fügt hinzu, um zwölf seid ihr zurück, ihr Seeräuber,

sie glauben ihm nicht,

das hier sind nicht die Abenteuer des David Balfour,

und er würde niemals Seeräubersagen,

außerdem ist es das Jahr 1780, im Hafen

liegt Segel an Segel, einige Schiffe

verdeckt der Poststempel.

 

Der Käpt’n geht unter Deck, packt seine Sachen,

ich bin noch nie gelandet, denkt er,

was zieh ich bloß an?

Da steht er und sieht in den Spiegel,

bin ich Rochambeau

oder ist das der Name meines Schiffes

oder sind wir am Ende im Hafen

von Rochambeau gelandet, und verhandeln

mit den Ureinwohnern; dann fällt ihm ein,

es ist das Jahr 1780, das Wasser ist jadegrün.

 

Der Käpt’n ist erstaunt, als er erfährt,

die Briten wurden von den Kolonien besiegt,

wegen einer Stempelsteuer, wie bedauerlich,

wir kommen zu spät. Er schaut aus dem Fenster

zu seiner Rechten (unserer Linken), lange Masten

ragen in Fragonards Himmel,

von USA 10 ȼ auf ewig geprägt.

Der Käpt’n findet die Beschriftung gut, beschließt,

doch nicht an Land zu gehen, er wird

stattdessen eine Karte in die Heimat schreiben:

 

Wir haben angelegt, schreibt er,

nur nicht besonders gut; es ist das Jahr 1780,

und sie rudern uns entgegen; unmöglich zu sagen,

ob wir rudern, oder ob sie rudern, und wer

sie eigentlich sind; im Hafen liegt Segel an Segel,

und der Poststempel rollt von Brooklyn her,

das links liegt (für mich: rechts), auf uns zu.

Was ratet ihr mir: Das hier ist Geschichte,

ich bin darin gefangen und hab nichts

zum Anziehn; wenn nur mein Name Napoleon wär.

 

Mein Leben, scheint mir, reicht gerade mal

für sieben Zeilen in The Reader’s Enyclopedia,

und sie beschreiben Washingtons und meinen

Sieg bei Yorktown über Cornwallis.

Mithilfe Frankreichs Flotte (von daher wohl

die vielen Segel) erzwangen wir seine Kapitulation.

Der Eintrag bleibt bei seine ziemlich vage

und so ist Rochambeaus Landung für beide

Seiten überraschend, auch für den Leser,

der Watteaus pinkfarbenen Himmel bemerkt.

 

Ich bin der Käpt’n dieses Briefes, der so beginnt:

Liebe Heimat, ach, wie vermisse ich das Erdbeben

von Lissabon, die Liquidierung der Jansenisten,

und Lauch mit Ei, erinnert euch an Rochambeau

in einem fremden Hafen,der sich mit Mais begnügen muss

und der aufgeblasenen Rhetorik der Pamphlete. Ich schau auf,

er schaut auf, wir betrachten ihn, wie er mitten in der
Geschichte

innehält für eine Redewendung wie jene, die er benutzte,

wenn er an Mme R. nach Potsdam schrieb,

etwas wie, mein Herz gehorcht nur Ihrer Feder.

 

Doch es ist das Jahr 1870 und der Käpt’n schreibt nie Karten,

schließlich ist er ein Mann der Tat,

er kennt seine Flotte, kennt den Hafen,

in dem sein Schiff vor Anker liegt,

er kennt den Himmel, der ganz gewöhnlich ist für USA

und das Wasser, smaragdblau,

ich geh an Land, sagt er, und wirft den Stift weg,

ich geh ein’n trinken avec mon équipage,

dans les petites boîtes du port

da weiß ich wenigstens, was anzuziehn.

 

Denn ich bin Jean Baptiste Donatien de Vimeur

le Comte de Rochambeau, ich bin hier gelandet,

das Wasser ist blutrot von der Geschichte,

und wir befinden uns in ihren Klauen (er mag

diese Wendung und schreibt sie ins Journal,

dann eilt er auf Deck,

wo klares Wetter herrscht)

„Lass die Boote runter“, ruft er einem Seemann zu,

„ich geh an Land, geh in die Bronx

wo mein Name einst Parks und Straßen sein wird.“

 

Aber kein Seemann ist da, der ihn hört,

keiner an Deck, und der Poststempel

frankiert fast die ganze Flotte,

kalt ist’s geworden, seit Rochambeau hier anlegte,

und wenn die Franzosen irgendwann kapieren, was USA 10c bedeutet

kappen sie ihm den Titel. Nicht länger

Le Comte, bloß ein Name

in irgendeinem Jahr auf einer Briefmarke auf einer Karte

an einen Leser, der 1780 den Rücken kehrt

und sich ans Wasser erinnert, weiß wie ihre Augen.

 

Übersetzung aus dem Englischen: Odile Kennel