# 003/ Leichte Geografie


Stupor mundi

oder

Über das Reisen mit Tieren[1]

 

Jan Kuhlbrodt

für Norbert Lange


 
«Aus dieser Höhe war es, als sähen die Freunde, die früher oft beobachtet hatten, wie die riesigen Rinderherden in wechselnden, wolkenartigen Mustern über die westlichen Ebenen zogen, diese ungeformte Freiheit nun zu einer Bewegung rationalisiert, die sich nur in geraden Linien, rechten Winkeln und einer fortschreitenden Reduktion von Alternativen vollzog, um schließlich in das letzte Tor einzumünden, das zur eigentlichen Schlachtstätte führte.«

(Th. Pynchon: Gegen den Tag. Dt. von Nikolaus Stingl und Dirk von Gunsteren)
 

 

Zero[2]


Giraffen, Elefanten, Emus, ein Affengesicht,
in den Sand vor den Ställen von Fellen verwischt.
Es freut sich und keinen Verdacht schöpft der Kaiser.
Doch:  Dieser Name ist schon vergeben. Und leiser
ist nicht zu beten? Auch nicht zum frevelnden Gott?
Ach, und immer füllen Tiere die Texte mit Tod
Davon ist er überzeugt und die Tiere, er liebt sie.
Ein weiser Herrscher. Und Friedrich zieht bis Sizilien.

Und legt auf Sizilien ein Ei. (Der Hülle entsprungen.
Leben, und wie es vom Tod durchdrungen?) Der Name
Heiliges Land ist dem heiligen Land gut geschrieben
und am Gipfel kreisen Raben, die lieben, noch immer.
Raben mit Lanze und rotem Bart. Es sei aufgeräumt
im Großen und Groben.[3] Nach belieben lebe der Kaiser.

 


 

I

Giraffen, Elefanten, Emus, ein  Affengesicht,
Meerkatzen, Boas und im Morgenlicht Hirsche[4].
Über den Umbau der Ställe, Boxen und Koben
muss etwas notiert worden sein. Über das Toben,
die Angst der Stallmeister, ihr Zittern: der Kaiser,   
kommt und darf man seine Wildtiere hinter Gittern
füttern? Darf man kaiserliche Giraffen züchtigen?
Die Flüchtigen? Darüber muss etwas notiert worden sein.

Oben wittern von Gottes Gnaden, Nashörner, Hechte…
Es muss ein Zittern gewesen sein unter den Knechten
wenn der Kaiser urplötzlich seinen Besuch angesagt.
Es muss etwas notiert worden sein mit zitternder Hand
in den Lehmputz hinein oder am Rand ganz klein
in den Sand vor den Ställen muss etwas notiert worden sein.

 


 

II

In den Sand vor den Ställen muss etwas notiert worden sein
vom wiegenden Gang der Kamele, vom Hufschlag der Pferde
verwischt von den Bäuchen der Walrosse[5], von einer Herde
Gazellen, verwischt von den Gnus und jedem einzelnen Schwein,
von Pfauenschwänzen muss etwas notiert worden sein. Vielleicht
hielten die Knechte vor allem auch Austauschgiraffen bereit
und Meerkatzen, Gibbons. Zu jeder Zeit anzufordern, die Arche
mit Paaren gefüllt jeder Gattung, abrufbar hier alle Tierheit.
 
Irgendwo muss es neben dicken Büchern Tierfriedhöfe geben.
Namen der Tiere sortiert  nach Gattung, Geschlecht, Alter und Art[6]
damit, wenn der Kaiser sie ruft, stets das richtige antrabt, sich verbeugt,
nickt, auf den Hinterbeinen steht, kichert, tanzt, mit dem Huf scharrt.
Der Herrscher erkennt seine liebsten Tiere mitunter am Schwanz.
Sie wedeln, dass der Kaiser beim Tanz keinen Verdacht schöpft.

 


 

III (Kommentar eines Zurückgelassenen)

Der Kaiser[7] freut sich und schöpft keinen Verdacht nicht
schaut mit Bedacht auf die Burg seiner Väter und denkt sich:
das ist der richtige Ort, mit Bier, Brot für die Meinen,
den ältesten Sohn und die Seinen. Genauer. Er lässt zügig
die Ziehbrunnen noch überprüfen, die satten Weiden
greift noch einmal ins Gras und schürft zwischen Steinen,
lässt Sand hier und Schwarzerde da durch die Finger gleiten
durch die Handschuhe rieseln und kichert heiser.[8] Der Kaiser

denkt vor der Flucht noch: Hier werd ich, mit schlechtem Gewissen,
und gutem Grund meinen Ältesten und die seinen zur Wehr
gegen den Norden zurück lassen müssen[9], wenn ich mich endlich
auf Reisen begebe (Scheiße, nicht hier! Sage ich, oder der Sohn)
will heißen, nach Italien. Ich möchte‘ es Heiliges Land nennen[10].
Doch dieser Name ist schon vergeben ans heilige Land.



IV

Doch dieser Name ist schon vergeben. Was kümmert‘s den Ketzer
wenn der Süden schimmert und lockt? Eben.der Süden, der Süden
und andere suchtbergende Worte mit S, Sünde zum Beispiel, Sizilien
und Sex, Sarazenen[11] Sonette, Sonnette und wieder Sonnnette. Besetzt!
Wie Süßlich, kommt jetzt etwa die Renaissance in Gang?
Man könnte meinen, Friedrich hätte sie meilenlang
aus Süddeutschland nach Italien geschleift.[12] (und uns[13] 
hier vergessen, der Arsch)[14] In Rom schäumt der Papst

oder war er da schon nach Südfrankreich[15] gereist
und hatte dort just seine Zelte am Hang aufgeschlagen
und bekehrte die Ziegen: Hört zu, bei uns, liebe Ziegen,
hört man ihn sagen (auf Latein) gibt es kein Opfer, bei uns
wird niemals nicht Ziegenblut fließen, denn Ziegen
beten ja nicht, auch nicht zum frevelnden Gott.[16] So soll es sein.



V

Beten ja nicht, auch nicht zum frevelnden Gott.
Und nicht zum schwefelnden Teufel in Rot, zu diesem
schon gar nicht. Denn solche Probleme löst man mit Handel.
Davon ist er fest überzeugt. Siegen durch Wandel, Feindschaften 
überwinden durch Integration![17] Durch Produktion. Jau,
Das ist Sache der Großen: Diversion! Und warum soll ich
mit Landsknechten ziehen und posen, mit stinkenden Truppen
schwitzen im Mantel den Muselmanen die Köpfe ritzen.[18] Je Mann.

Da ist es viel schöner, man fängt sich im Dschungel ein Fell
einen Tapir, Affen, schnell den Tasmanischen Teufel, in dieses Gestell hier
umgrenzt von einer Schar Tukane, Pelikane, Sahne, darum Kolibris kreisen.
Bedächtig schreitet daneben und sehr würdig einher und weise
 ein Marabu neben Zebras, Giraffen und Gnus, Elefanten. Auf Reise.
Und immer füllen große Girlanden und Tiere den Text.




VI

Und immer füllen Tiere den Text. Next.  Das, und nicht
die  Begründung des Menschengeschlechts war Adams echte
Großtat. Der Bericht. Dieser frühe Nominalismus[19]. Fuck!
[20]Er sitzt neben Gott im Paradiesgras und kifft. Und sagt all die Namen:
Mehlschwalbe, Sperling, Wiedehopf, Elster, Gemüse, Mann, Gemse
Steinadler, Tukan, Marabu, Oh Yeah! Spottdrossel, Nacktmull, Ja Genesis
und dann: Sturmmöwe, Distelfink, Regenwurm, Python, verdammt.
Riesenalk, Neuntöter, Nachtigall, Moorhuhn … Moorhuhn fett.

Gott, dieser Held, notiert alle Namen in die frisch gebackene Welt;
und zwar so auf die Dinge, dass sie, wies gefällt, deren Gestalt voll
annehmen. Einschreibung[21]. Pränatal. Fortan für jeden, auch dich,
lesbar[22], gleich welche Sprache du auch benutzt, Alter Fisch, verstehst du
Sie springen dir direkt ins Auge, die Namen. Ja! Krass, Alter direkt.[23]
Sie sind da, da, da. Voll da. Gaga.  Davon ist Friedrich fest überzeugt.

 


 

VII

Sie sind da, da, da. Davon ist der Kaiser überzeugt.
Und überzeugt ist er auch davon, dass  hier in Italien
der richtige Ort ist, mit all seinen Tieren freudvoll
zu leben, zu wandern, zu hüpfen, zu ziehen, daneben
eine Gesellschaft bunt wie die Kleider der Narren, schrill
und eben laut wie nur der Christopher Street Day es will.
Und siehe er kommt hüpfend über die Berge[24] und singend
die seinen ob Pferde, ob Menschen, ob Huhn. Aber die Fürsten

nennen diese Gesellschaft nicht opportun Heuschrecken,
denn der Kaiser zieht ein in die Messen, wann immer er will
verlangt er Essen für sich und einiges Futter für seine Meute
und Ställe. (Über die Angst der Stallmeister muss heute
irgendwo etwas stehen.) Ein Wanderzoo. Und der Kaiser zieht
davon, wenn der Speicher leer ist mit seinen Tieren bis nach Sizilien[25]

 


 

VIII

Und Friedrich zieht bis Sizilien. Er macht sich
die Sarazenen zu Freunden[26], in dem er sie einfach
als Leibgarde verpflichtet. (Integration)  Und schlecht
für den Papst der immer noch zittert vor Wut[27],
weil Friedrich seinem Ruf nicht folgt, sich nicht im Geringsten
zu Pfingsten Sorgen macht um den Zustand des Heiligen
Grabes im Heiligen Land. Heiliger Geist: Was tot ist, ist tot,
 denkt er und kümmert sich lieber um lebendiges Getier.

Und er hat auch Gelehrte dabei, wenn er im Süden über
die Burgen der Fürsten herfällt. Sie sitzen mit gekreuzten
Beinen im Hof und reden über den Flug der Falken.
(Darüber schreibt er ein Buch[28]) Und über Politik.
Und sie sprechen fließend arabisch zum Glück.
Und Friedrich legt auf Sizilien ein Ei[29] Namens Manfred.

 


 

IX

Er legt auf Sizilien ein Ei Namens Manfred.
Manfred, der sich später um seinen Vater Sorgen macht.
Der Papst hat ihn Ketzer genannt und dafür droht Hölle
Und Manfred sitzt auf Sizilien und grübelt und weint
und weint und grübelt und denkt an das arabische Haar
in der Suppe. Das Haar von Suleiman dem Arzt, oh ja,
Suleiman der derart gut nach Rosen riecht, in der Küche
mit Kardamom[30] rummacht, mit Kumin und Sternanis, Zimt.

Manfred lässt zum Wohle des Vaters das Buch Liber
de Pomo[31] (Vom Apfel) aus dem Arabischen ins Latein
übersetzen. Das Buch folgenden Inhalts: Aristoteles
hält sich schwerkrank am Leben durch den Geruch eines Apfels
Aber warum dass so ist, weiß nur Gott und er weiß auch
was Leben ist und wie es vom Tod unterschieden.



X

Was Leben ist und wie es vom Tod unterschieden.
Wen kümmert es wenn der Falke vom Himmel fällt
und die Maus schlägt? Den Falken? Die Maus?
Oder Friedrich am Ende am Rande des Feldes
schirmt mit der flachen Hand gegen die Sonne. Aus.
Man muss sich schützen vor dem, was man liebt, auch
seine Bären sind nicht zu verachten. Wenn man sie reizt
schlagen sie schon mal den Pfleger mit Pranken zu Brei.

Und Friedrich rüstet gegen den Papst, die Partei
Und Friedrich kauft den Arabern das heilige Grab ab
Und Friedrich zeugt den Sohn Konradin[32], den letzten
der Staufer. Und Friedrich liebt sein Italien, seinen Gott
und seine Kirche. Und er möchte es das heilige Land nennen
Doch dieser Name ist schon vergeben ans heilige Land.

 



XI

Doch der Name ist schon vergeben ans heilige Land
jenseits  Meeres  Palästina und Opa, Barbarossa genannt
Friedrich I. Mit Namen  wollte es einnehmen für den Ruhm
seines Papstes, der langsam verblasste, und er hatte ein Heer
furchtlos gerüstet mit Speeren und Bögen gegen die Muselmanen.
Zig tausend Mann Fußvolk zigtausend zu Pferd zogen gen Osten
ein wenig nach Süden, der Nase nach[33] und sind dann abgebogen,
um das heilige Land endgültig von den Muselmanen zu befreien.

Aber Barbarossa selbst wollte es schwimmend erreichen, quer
durch den Po[34], übers Meer es bleibt bis heute zu Speyer eine Grabstelle leer.
Und am Kyffhäuser wächst von Jahr zu Jahr mehr und immer grauer
ein Steinbart durch einen riesigen Tisch am Ende der Mauer
in die fürs Dynamit schon tiefe Löcher gebohrt worden waren.
Und um den Gipfel geschwind ziehen und kreisen seit Jahren die Raben.




XII

Und um den Gipfel kreisen die Raben nach tausend
Jahren noch, denn, so sagt die Legende: wenn sie es nicht tun
steigt der Kaiser am Ende wieder herauf, Rotbart genannt
der einst im Wasser verschwand. Und Schluss. Am anderen
Ufer die Getreuen starren in den  Fluss und warten auf
ihren Herrscher. Ach und Jerusalem scheint für immer verloren.
Denn jenem gefällt es, sie warten zu lassen bis über den Tod,
solange eben die Raben des Kyffhäuser Gipfel umtraben.

Als ginge die deutsche Romantik der Renaissance voraus.
Als hätten jene, die Burgen und Schlösser von vorn herein
als Ruinen bauten, diese erfunden[35]. Als erfülle sich hier
das Mittelalter in düstrer Fantasie. Als hätten die Staufer
keinen zweiten Friedrich gekannt, nur beinharte Kerle wie Barbarossa
Fette Skelette mit Lanze, mit Keule und mit rotem Bart.[36]

 


 

XII

Mit Lanze mit Keule und rotem Bart[37]. Totentanz
Vielleicht hatten die Russen im Jahr 45 darauf verzichtet
Hatten den Stein, wie sie erst wollten, nicht gänzlich vernichtet
Nicht in den Himmel gejagt. Die Amis hatten die Tage vor Ort
 die Löcher in die Steine  gebohrt und Thüringen dann gen Westen
verlassen, wie in Jalta unter den Alliierten ausbaldowert.
Den Rotbart endlich aus der Welt schaffen! Mit einem
letzten lauten markerschütternden unglaublichen Knall

wäre der Hüne zerstoben und hätte überall Ruhe gefunden.
Aber der Knall hätte die Raben vertrieben und aus wär es
mit stillen Stunden  der Ruhe für Opa. Er hätte das deutsche
Volk[38] um sich geschart, wie‘s die Legende vorschrieb,
Die Russen zündeten nicht und das war wohl Strafe für uns
Und um den Gipfel kreisen noch immer die Raben, Touristen[39]

 


 

XIII

Und um den Gipfel kreisen noch immer die Raben[40], Touristen
Schauen nach Norden und krächzen und sehen heran
reiten und laufen und glauben es nicht: in diesem Heer
sind Elefanten, Nashörner, Gibbons, Zebras und mehr.
Dieses sei Friedrich, der hat einen anderen Weg gewählt
und eine andere Sehnsucht. Die zielt nicht nach Osten
die zielt nämlich nach Süden und immer nach Süden
denn er hat Mut gegen den Papst und  noch einen Sohn.

Dieser wird eines Tages auf Sizilien geboren und man
wird Manfred ihn heißen und dieser Manfred wird sich
die Ärmel hochkrempeln müssen. Und beten und bitten
denn er wird mit der Schmach seines Vaters weil dieser
bei seinen Reisen die Richtung verfehlte im Groben
im Großen und Ganzen aufräumen müssen.



XIV

Im Großen aufräumen müssen auch wir
Und lesen im Buche vom Apfel: Ihr sollt sie
Verbreiten unter den Hörern, in denen die Samen
der Tugend Frucht tragen, bei der der Rost
des Irrtums getilgt wird und bei der die Wahrheit
der verborgenen Schrift sich eröffnet.[41] O Trost!!
Wir alle sind Manfred. Und unser aller Vater ist
Friedrich der zweite. Enkel des Rotbarts.

Der mit den Tieren reiste und die Tiere mit ihm
Der mit den Tieren die Romantik uns austrieb
die blaue Blume bevor sie erblüht durch Orchideen
ersetzt. Der auf uns den Schuhschnabel gehetzt, Pelikane
Der sich und dem Papst das heilige Grab kaufte.
Und den wir erlösen müssen von seiner Schuld.[42]

 


 

Außer der Zahl

Und weil die Raben kluge Vogel sind, hören sie bestimmt niemals auf,
um des Kyffhäuser Gipfel zu kreisen, dem Rotbart in die Mähne zu scheißen[43].
Und weil wir kluge Vögel sind, stehen wir drauf und versammeln uns
vor den Gattern im Zoo, weinen und träumen davon, mit Tieren zu reisen.

 

 

Anmerkungen

[1] Von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen, der mehrfach beim Papst in Ungnade fiel, weil er sich dem Kreuzzug verweigerte, ist überliefert, dass er mit Tieren reiste. Das heiß:t nicht nur mit Pferden und Ochsen, die er als Lasttiere nutzte, das sicher auch, denn er verfügte über keine Wohnburg, sondern er zog mit seinem Hofstaat durch Italien und lud sich bei den verschiedensten Fürsten und Königen ein, welche ihn dann zu bewirten hatten. Und weil die Tiere, die er mit sich führte, verschiedenste Wildtiere, wie Elefanten und Giraffen, zu seinem Hofstaat gehörten, mussten auch sie von den Gastgebern versorgt werden. Theoretisch, könnte man sagen, kratzte der Kaiser an der Grenze zwischen Mensch und Tier, wie auch Franz von Assisi, der den Tieren die Frohe Botschaft predigte.

[2] Die Römer kannten die Null nicht, sie hatten also keine numerische Vorstellung von Nichts, die Null wurde überhaupt erst im Mittelalter in Europa eingeführt. Sie kam wohl aus China oder Indien, und revolutionierte das vereinigte europäisch arabische Zahlensystem. Ohne Null die eben nicht gleich Nichts ist, keine Moderne, aber das nur am Rande. Wir befinden uns im Mittelalter, an seinem Ende und Don Quichottes Barbierbecken ist schon ein Barbierbecken, allerdings unbeschädigt und als Barbierbecken in Gebrauch. Auch mein Urgroßvater sprach von Barbier, wenn er mit mir zum Haarschneider ging. Die Becken allerdings waren wie Handwaschbecken geformt und immobil. Einmal später, ging ich allein und verlangte vom Barbier einen Mittelscheitel. Ich dachte dabei an John Lennon, bekam allerdings eine Frisur wie sie später Dieter Bohlen hatte. Der Schulbesuch danach entsprach einem Spießrutenlauf. Das wäre die Reminiszenz an den anderen Friedrich, den von Preußen.

[3] Manfred von Sizilien, unehelicher Sohn Friedrichs II: im Prolog zum Buche vom Apfel (Liber de Pomo): »Und da er sich, wegen der verblassten Erinnerung an die ihm eigene Würde den Entscheid zur Wahl der ehrenhaften Dinge nicht leisten kann, sondern im Dunkel der Unwissenheit auf Abwege gerät und das Ziel seiner letzten Vollkommenheit, zu dem seine Absicht ihn eigentlich führte, nicht erreicht, wobei einer je nach seinem Wissen oder seiner Unwissenheit Gott fern oder ihm nahe ist, und in der Folge derjenige, der vom falschen Weg eines solchen Irrtums befreit und aus der handgreiflichen Dichte der körperlichen Finsternis herausgeführt wird, den Weg des Lebens, von dem er bedauerlicherweise abgekommen war, finden und die an die Dunkelheit gewöhnten Augen zum Licht der klaren Wahrheit erheben kann – bei alldem wäre es dienlich, dass er auch durch den Glanz der menschlichen Lehren erleuchtet würde.« Das Wissen der Wahrheit sei die Wahrheit des Wissens in Wirklichkeit! Ein Hang zur Semantik. Leuchtstoffröhren. Aus der handgreiflichen Dichte der körperlichen Finsternis … mmh. Ein sprachlicher Zick-Zack. Herausführen. Das ist das Reisen mit Tieren.

[4] Die Aufzählung der Tiere folgt keinem Prinzip. Bei diesem Gewimmel wäre das auch nicht möglich. Ein Tier natürlich fehlt, obwohl es die Szene bestimmt: die Fliege. Sie organisiert die Bewegung der Schwänze, der Rüssel, der Augenlider und ruft teilweise ein Zucken in der gesamten Gesichtsmuskulatur hervor. Und die Fliege regelt auch den Verfall, indem sie das Leben verlängert, die Kadaver nämlich als Brutstätte nutzt, rückführt in die Nahrungskette. Warum wurde die Fliege nie zum Symbol des ewigen Lebens? Auch die Geier nicht. Wir begegnen ihnen mit Abscheu. Aasfresser! Als hätte einer von uns je in eine lebende Ziege gebissen. Ein Geyer aber erregte einst unser Mitleid. Aufgrund der Tierkadaverbeseitigungsordnung der Europäischen Union war verendetes Vieh sofort von den spanischen Wiesen geräumt worden. Also begab sich das spanische Tier in weiten Kreisen auf Nahrungssuche und landete schließlich entkräftet und dem Hungertod nahe im Ruhrgebiet. Das beherzte Eingreifen bewahrte ihn davor zur Brutstätte für Fliege zu werden. Die Bewegungen der Bälge hervorgerufen von der Fliegen Brut! Ich habe im Biologieunterricht gelernt, die drei Merkmale des Lebens seien: Eins Fortpflanzung, Zwei Bewegung und Drei Wachstum. All das organisiert die Fliege in den Körpern verstorbener Tiere. Die Fliege zu bekämpfen ist müßig. Man verschafft sich höchstens für Sekunden eine Fliegenpause. Schnürenvorhänge in verschiedenen Farben schützen nur Immobilien. Im Portugal der 1990er Jahre hängte man durchsichtige mit Wasser gefüllte Plastikbeutel ins Fenster. Ob das half, ist nicht überliefert. Die Spuren der Fliege am Fenster … Alle Kunst sei der Fliege gewidmet, und sofern sie sich materiell manifestiert, dient sie der Fliege als weltlicher Aufenthaltsort. Letzte Woche habe ich einen Schnürenvorhang an der Balkontür befestigt. Sieht gut aus.

[5] Wenigstens ein Walross muss es im Tross gegeben haben. Ein Italienischer Anthropologe fand 1993 an einer Lagerstätte die Knochen, freute sich, und dachte nachgewiesen zu haben, dass der steinzeitliche Mitteleuropäer mit dem steinzeitlichen Nordeuropäer Handel betrieben hatte. Diese These hatte ihn lange beschäftigt. Im Grunde wollte er nur widerlegen, dass Krieg die Verkehrsform der Völker gewesen sei. Krieg, so sagte er, resultiere aus der künstlichen Verknappung der Ressourcen. Auf das künstlich legte er Wert, denn ein Produkt, zum Beispiel ein Walross, erzeuge durch seine Anwesenheit nicht notwendig ein Bedürfnis. Erst seine Einbindung in postrituelle Handlungen bringe ein Verlangen hervor. Wer würde schon für ein Walross töten? Aber Essig war‘s. Untersuchungen der Isotopenstruktur datierten die Knochen aufs Hochmittelalter, auf eine Zeit also, in der der steinzeitliche Mensch längst ausgespielt hatte, die Langhäuser verlassen und im Einfamilienhaus wohnte (mehr oder weniger luxuriös) und von der Lagerstätte, wo man sie fand, war überliefert (Haare, Kotreste, Schriften) dass dort auch einmal eine Lagerstätte Friedrich des Staufers gewesen sein muss. (»Na prima!« war der Kommentar des italienischen Anthropologen.) Walrosse sind für ein Leben mit einem Kaiser auf Reisen vollkommen ungeeignet. Aber offensichtlich hatte man einen Versuch unternommen. Die Hauer waren im Übrigen vollkommen unversehrt, als man sie fand. Elfenbein! Sie hätten schöne Schachfiguren abgegeben.

[6] Vielleicht ähnlich dem Brehm. Auch hieß einer der ständigen Begleiter Friedrichs von Brehm. Er war gebürtiger Burgunder und er traf ihn am Tiber. Von Brehm war mit einem Schmetterlingsnetz unterwegs, hatte aber keine Ahnung davon, wie man die gefangenen Tiere tötet und konserviert. Abends ließ er sie frei, um ihnen am Morgen von neuem nachzustellen. Er entwickelte die Theorie, dass Falter am Abend ihre Farbe verlören und am Morgen zurückgewinnen. Sein Buch De farfallo (Vom Schmetterling) gilt als eines der ersten Bücher der europäischen Schmetterlingsforschung. Leider verschollen.

[7] Das ist der erste Vers zum Text eine Tarantella an deren Ende die Tänzer zumeist in Trance fielen und dann zusammenbrachen. Ein Witzbold nannte derartige Tänze später Sufitarantellas. Allerdings verbreitete sich die Kunde von Friedrichs hellem Bewusstsein auf die Art bis in den Osten der Späteren Türkei und nach Zentralafghanistan, wo einige Stammesführer noch heute ihre Abstammung bis auf den Staufer zurück führen.
Al Ibn Frich Frich. (Hier wird’s albern, aber das ist eben Geschichte)
Auch die Tarantella hat einen tierischen Namen und ein rhythmisches Schluchzen.

[8] Wenn man davon ausgeht, dass im Hochmittelalter weltweit eine Wärmephase herrschte, ist die Freude vielleicht angebracht, angesichts des Winters 2009/2010 allerdings völlig verfrüht. Allein die Schneewälle in den Nebenstraßen machten jeden Gang zum Abenteuer. Ein schwacher Trost: auch in Italien, ja sogar auf Madeira wütete in diesem Winter der Winter.

[9] Heinrich, der zurückgelassene Sohn hieß zu allem Überfluss Heinrich.

[10] Wir dürfen uns nichts vormachen, eine deutsche Italiensehnsucht ist noch kein Anzeichen postnationaler Identität. Eher im Gegenteil. Aber vielleicht liegt der Ausweg aus Nationalismus ohnehin nicht in der Ausweitung, sondern in der Einengung des Begriffs, Gruppenidentitäten, Grüppchenidentitäten. Ichidentitäten. Was natürlich einer Aushöhlung des Inhalts gleichkäme. Aber was erwarten wir, ist eine Höhle doch nur ein ausgedehntes Loch und ihre Wände Projektionsflächen für platonische Schattenspiele.

[11] Salbei, Sellerie, Selbstfindung, Schamanismus, Slockentra (?), Socke, Sellerie (hatten wir schon), Schocktherapie, Saft… Die Liste scheint beliebig erweiterbar zu sein, aber das ist nur Schein. Glauben sie mir. Allein die Antwort auf die Frage, ob sie das Sch (sprich: schh!! sehr stimmhaft) akzeptiert, es also zu Gunsten des S auflösen soll, ist nicht überliefert. Und was ist mit den Millionen von Worten (lassen wir es tausende sein) deren Inhalt unbekannt ist? Worte wie Slockentra.

[12] Vergessen, vergessen, vergessen.

[13] Im Sinne von »unsere Vorfahren«. Uns wäre einiges erspart geblieben. Zum Beispiel der Trubel um den heiligen Rock von Trier (1844). Aber nicht nur das.

[14] Aus der Romanik wuchs uns Romantik zu. Trotz aller Aufklärung, wie lieben Skelette und unser Tanz ist der Totentanz, nicht die Tarantella. Na gut, das Volk tanzt die Polka und liebt Spaghetti und Mafiafilme mit Robert de Niro.

[15] Obwohl er in Zelten übernachtete, hinterließ er doch überall Bauwerke mit bedeutendem Kunstbehang. Vielleicht war das seine Art, sich wichtig zu machen.

[16] Die Geschichte von einem die Ziegen bekehrenden Papst ist allerdings nicht verbürgt. Ich habe sie von einem Zeitungsverkäufer in Rom, der sie bei einem Schuhputzer aufgeschnappt hatte, dessen Mutter eine Waschfrau der x-ten Generation war. Sie war in den Kriegswirren 44 in Rom gelandet. Eine ihrer Urahnen, hatte sie behauptet, sei Waschfrau der Medici gewesen. Und so verliert sich am Hofe der Medici die Kunde des Papstes, der angeblich Ziegen bekehrte. Wir wissen auch nichts über seinen Erfolg.

[17] Erst einmal müssten alle Latein lernen. Und zwar von der Grundschule weg, dann klappt es auch mit dem sozialen Aufstieg. Gerade hier sehen Spontitheoretiker die Crux der bürgerlichen Verfasstheit. Es gebe eben kein richtiges Leben im falschen (ein Satz über den Adorno sich, nachdem er ihn ausgesprochen hat, sicher ärgerte, aber nicht lange, denn er konnte sein Handeln ja mit demselben Satz rechtfertigen), und sie rechtfertigen damit den Terrorismus. Idioten!

[18] Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen.

[19] cf. Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, geht aber auch ohne.

[20] Er weiß es nicht, hat noch keinen Begriff von Haschisch, dem Rausch und kennt auch das Gesetz noch nicht. Er genießt einfach die Wirkung. An Tag zuvor hatte er Pilze probiert, davon wurde ihm schlecht. Gott sagte: Er soll nur seine Erfahrung machen, die Worte kommen ihm früh genug. (Protokoll Genesis 1/74.)

[21] Hier eher im Sinne Foucaults. Oder meiner Oma, die auf die Sachen Pflaster klebte, mit den Namen darauf. Sie starb leider, bevor sie ihre Arbeit vollendet hatte. Mein Pflaster löste sich bald. Ich führte es noch Jahre im Geldbeutel mit mir, bis es verschwand. Eine Variante ist auch Jandls Stuhlgedicht (steht Jandln hinten drauf).

[22] Es ist auch kein Wunder, dass man manchmal so heißt wie man aussieht, oder ein anderer gleichen Namens.

[23] Bei Manley Hopkins hört sich das so an: «Each mortal thing does one thing and the same:/ Deals out that being indoors each one dwells;/ Selves goes its selves; myself it speaks and spells,/ Crying, What I do is me: for that I came.” Das Sonett, dem diese Verse entnommen sind, heißt bezeichnender Weise: As King fishers catch fire, dragonflies draw flame. Erschienen in der grandiosen Übersetzung von Dorothea Grünzweig bei der ebenfalls grandiosen edition rugerup. (Wie Eisvögel Feuer fangen, Libellen Flammen ziehn;)

[24] Dieser Verweis auf die Hohelieder zielt nicht direkt auf Friedrich. Siehe auch: Wilram von Ebersberg: Cantica Cantorum. »Síno dêr mín vine vérit ál in sprúngen an den bérgon, unte er úberspringet dîe búhelia.«

[25] Hätte er es gekannt, er hätte My way gepfiffen. Genau so wie er auf seine weise mit Häretikern verführ.

[26] Das stützt die Spontitheorie von Unterwerfung durch Integration. Wohl wären die Revolutionäre auf päpstlicher Seite gewesen. Auch wären den Schwarzen die Klamotten des Kaisers zu bunt. In Frankfurt stand immer einer der Spontis an der Flügeltür und stützte seine Bierflasche auf dem Oberschenkel ab, wie ein Türmer seine Fanfare. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, redete nicht, trank nicht von seinem Bier, wachte nur weiß Gott worüber und schien sein Wissen, das er ausschließlich mit Gott teilte, in vollen Zügen zu genießen.

[27] Später dann, als die Wut weg war, zitterte er, weil er alt war, sagt man. Der wahre Anarchismus war immer katholisch, nicht zuletzt deshalb fühlte Hugo Ball sich berufen ein Brevier der Schriften Bakunins herauszugeben.

[28] »De arte venandi cum avibus« (»Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen«)

[29] Siehe auch die Anmerkung zur Fliege.

[30] Ich dachte lange, das Gewürz hieße Kardamon mit n, wie ich auch dachte, es hieße Firnament, aber ich dachte nie an Zememt oder Zenent. Ist doch komisch, oder? Vielleicht macht das die gefühlte Nähe des Autors zu Wolfgang Hilbig und der Großmutter Mütterlicherseits, die sich Zeitlebens dem Zement näher fühlte als dem Firmament. Aber Kardamom liebte sie. Weihnachtsgebäck!

[31] Neuausgabe 2001 bei Klostermann in Frankfurt am Main. Eingeleitet, übersetzt und kommentiert von Elsbeth Acampora-Michel. Der Band enthält auch eine englische Version des Textes (in Versen) die Margoliouth 1892 aus der Persischen Version angefertigt hat. Großartig!

[32] Konradin wäre gern König geworden in Deutschland; was man zu verhindern wusste. Daraufhin schloss er sich einer Sizilianischen Dichtergruppe an. Er war der einzige unter ihnen, der Mittelhochdeutsch schrieb. Unter seinen italienischen Mitstreitern hielt sich hartnäckig das Gerücht, Konradin würde auf alle Semantik verzichten. Hätte es dieses Wort schon gegeben, man hätte ihn für einen Lautpoeten gehalten. So galt er zwar als ein wenig gaga, aber dennoch als ernstzunehmender Dichter.

[33] Denn die Araber rochen nach Rosen. Dem Rosenwasser geschuldet. Gestern lächelte ein Araber aus dem TV. Er sagte dass seine Seele geteilt in eine arabische und eine deutsche. Und dabei beschnitt er einen Rosenstrauch und verwies auf die deutsche, die Gärtnerseele. So ändern sich die Zeiten.
Aber im Bioladen an der Ecke gibt es einen Persischen Rosentee. (Auch wenn die Perser keine Araber sind haben sie doch aus mitteleuropäischer Perspektive mit Arabern so einiges gemein.) Man brüht nur die Blüten auf. Geruch! Und Geschmack!

[34] Oder einen anderen Fluss. Die Legende sagt, das seine Vasallen den Leichnam fanden und mitschleppten, dass er aber irgendwo vor Jerusalem verloren ging.

[35] Und Friedrich hatte ja auch gar keine Burg. Er ließ sich mal hier mal dort nieder. Er rief vorher an, sagte, er kommt, und bat, man möge sich mit der Bereitstellung der Quartiere beeilen. Bezahlt hat er auch nicht. Wie auch. Er hatte kein Geld, und eine Burg ist ja keine Pension. Und das, was er hatte, gab er für Tiere aus. Meine Mutter wäre durchgedreht. Schonne widder ä Dier so ä dämlischs Vieh! Sch wär bleede. (In etwa: Schon wieder ein Tier. Ich werde verrückt.) Ich brachte seinerzeit eine angeschossene Taube heim, die uns ein paar Tage den Balkon vollkackte und dann plötzlich verschwand. Wahrscheinlich habe sie sich erholt, sagte meine Mutter. Ich denke mittlerweile, sie ist mit dem Müll davongefahren. Ach hätte der Friedrich uns mitgenommen, auch der Fritz wäre uns erspart geblieben! Eine Überlieferung: »Voran schreitet und schnell der Träger des Goldfischglases.« Es soll eine wunderschön Illuminierte Version des Textes geben.

[36] Was natürlich nicht heißt, dass Friedrich kein beinharter Kerl war. Er musste es schließlich auch sein, bei seiner Geschichte. Als Kind war er schon König. Da gewöhnt man sich einen rüden Umgangston an, und der Weg nach Italien war damals beileibe keine Autobahn. Und Friedrich musste bis in die Spitze des Stiefels.

[37] Bei Oma auf dem Nachtschrank lag auch immer ein Buch mit Sagen aus dem Riesengebirge. Manch Deutscher am Ende des letzten Jahrhunderts war traurig, wenn er drin las. Bei mir führte es dazu, dass ich lange dachte Barbarossa und Rübezahl seien ein und dieselbe Person gewesen.

[38] In einem Dokumentarfilm über Helmut Kohl sagt Gorbatschow dreist in die Kamera, dass der Kanzler (Einheitskanzler, wie Kohl von einigen, nicht zuletzt von sich selbst, genannt wurde) ihm gezeigt habe, dass der Deutsche wie der Russe auch über eine Seele verfüge. Da Ende eines Witzes, gesprochen mit Russischem Akzent: Wenn du hast starken Freund, du kannst singen so laut, wie du willst.

[39] Meine Großmutter väterlicherseits hat eine Weile in Nordhausen gewohnt. Einmal haben ein Freund und ich bei ihr ein Basislager bezogen und haben das Barbarossadenkmal besucht, aber auch die Baumannhöhle, wo es einst Grottenolme (siehe Tiere) gab. Farblose augenlose Wesen mit vier Beinen, Fühlern und Außenkiemen, ähnlich dem Axolotl in Mexiko. Und ganz in der Nähe starben im Zweiten Weltkrieg im Lager Dora die Zwangsarbeiter beim Zusammenschrauben von V1 und V2.

[40] Rabenvögel, unter ihnen die Elstern, gelten als äußerst intelligent. Im Leipziger Zoo starb 2009 eine Dohle, die in einer spanischen Kneipe einige deutsche Worte gelernt hatte. Wenn man sie besuchte, rückte sie verschämt an den Käfigrand und nahm leise Kontakt auf. Man sprach über dieses und jenes. Verblüffend war, dass die Dohle beim Sprechen den Schnabel nur leicht öffnete und kaum bewegte. Ebenfalls 2009 gelang es einer Elster, sich mithilfe eines Spiegels, eines Stücks Papier zu entledigen, was man ihr, für sie nicht direkt sichtbar, auf den Rücken geklebt hatte.

[41] Diese Stelle findet sich in der Epistula Manfredi (auch in der Neuausgabe des Buches vom Apfel enthalten).
Sie beginnt mit folgenden Worten: Allen Gelehrten an der Universität in Paris, die auf dem Viergespann der philosophischen Lehre sitzen, sendet seinen Gruß Manfredus, von Gottes Gnaden etc.

[42] Wie, ist noch unklar. Zunächst vielleicht durch ausgedehnte Italienreisen und Zoobesuche. Auch habe ich die Patenschaft über einen männlichen Panda übernommen und über eine Gruppe Zwergkängurus. Desweiteren setze ich mich für das umweltschonende und lautlose Abtragen des Barbarossadenkmals im Kyffhäuser ein. Die Raben sollten keines Falles gestört werden.

[43] An dieser Stelle sei auf Heiner Müllers Text »Die Befreiung des Prometheus« verwiesen, und darin vor allem auf das gleichsam symbiotischen Verhältnis von Prometheus und dem Adler, der seine Leber frisst und gleichzeitig den Helden Halbgott mit Nahrung (Kot) versorgt.



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KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954