# 004/ rated D


Voll Verdienst

Friedrich Hölderlin

 

In lieblicher Bläue blühet mit dem metallenen Dache
der Kirchthurm. Den umschwebet Geschrey der Schwalben,
den umgiebt die rührendste Bläue. Die Sonne gehet hoch
darüber und färbet das Blech, im Winde aber oben stille
krähet die Fahne. Wenn einer unter der Glocke dann herabgeht,
jene Treppen, ein stilles Leben ist es, weil, wenn abgesondert
so sehr die Gestalt ist, die Bildsamkeit herauskommt dann
des Menschen. Die Fenster, daraus die Glocken tönen, sind
wie Thore an Schönheit. Nämlich, weil noch der Natur nach
sind die Thore, haben diese die Aehnlichkeit von Bäumen
des Walds. Reinheit aber ist auch Schönheit. Innen aus
Verschiedenem entsteht ein ernster Geist. So sehr einfältig
aber die Bilder, so sehr heilig sind die, daß man wirklich oft
fürchtet, die zu beschreiben. Die Himmlischen aber, die immer
gut sind, alles zumal, wie Reiche, haben diese, Tugend und
Freude. Der Mensch darf das nachahmen. Darf, wenn lauter
Mühe das Leben, ein Mensch aufschauen und sagen: so will ich
auch seyn? Ja. So lange die Freundlichkeit noch am Herzen,
die Reine, dauert, misset nicht unglücklich der Mensch
sich mit der Gottheit. Ist unbekannt Gott? Ist er offenbar
wie der Himmel? dieses glaub’ ich eher. Des Menschen Maaß
ist’s. Voll Verdienst, doch dichterisch, wohnet der Mensch
auf dieser Erde. Doch reiner ist nicht der Schatten der Nacht
mit den Sternen, wenn ich so sagen könnte, als der Mensch,
der heißet ein Bild der Gottheit.

Aus: Hölderlin, Friedrich: In lieblicher Bläue. In: Frankfurter Ausgabe. Hrg. v. D. E. Sattler. Bd. 8, Stroemfeld, Frankfurt am Main/Basel 2000, S. 1011.

 


 

J. H. Prynne

Voll Verdienst

Follow the line the same
   way down and
      pale in the sky

Leave in disgrace with
   fortune in
      her face & eye

You cannot know
   under the
      brow of the hill

What she will say or do
   inclining to let
      ages go by.

 


Light in the forearm it
   lies in the
crook you can feel
   it like quick
silver where is she now.

 


I had a key upon a ring
   it was a pretty
thing I held it in my hand
   lest the heart grow
fond & as I watch’d it climb
   about my wrist in
time it reach’d my heart & stopp’d
   dead in the vein.

 


Go home said the
   stranger to the
boy’s mother he’s too
   weak & she
cried bitterly & led
   him to the door.



There was a maid her
   name was Jim
they always took her
   name for him.

 

Aus: Poems, BloodaxeBooks, 2005, S. 34-36.

                           

Christian Filips

Voll Verdienst*

Folge der Zeile daselbst
    Unter gehet ein Pfad und
       Blaich in den Himmel

Nemlich gar ungnädig lässt
       Gegen das Glück sie
         In Antlitz & Auge

Und keiner vermag es
      Zu wissen hierunter
        Der Braue des Hügels

Was aber sie tut oder sagt
      Das neiget sich vorbei
         Zu lassen Zeiten.

 


Licht auf dem Vorderarm, es
      Liegt, es lieget in
Der Beuge, darin du es fühlst
      Es, es wie rasches
Silber, wo sie hin ist.

 


Einen Schlüssel hatte ich, am Ring
     Ja, der war ein schönes
Ding, hielt oft in Händen ihn,
     Dass mein Herz dran wachse
Fest & und wie ich‘s steigen sah
     Hin über meinen Puls zu
Rechter Zeit, da reicht es
    An mein Herz, hielt ein die Ader, tot.

 


Geh heim, der
    Fremdling sagt es der
Mutter des Jungen, der auch
     Sei krank, worauf
Mit Weinen anhebt sie &
    Führt zur Tür ihn.

 


War eine Magd,
    Ihr Name Jan.
Stets hielt man sie
    Für einen Mann.

 

*Im Original deutsch, wohl Hölderlin, vielleicht aber auch Waiblinger, jedenfalls aus dem Fragment In lieblicher Bläue (siehe oben). Wohnung und Vollverdienst (Full income instead of full employment), auch eine Frage des Grundeinkommens.


 

Hans Thill

Voll Verdienst (le pauvre H)

Ja. So lange die Freundlichkeit noch am Herzen, die Reine,

So long, Freunde, wir gehn jetzt
weiter ins Reine. Ja: Sohn Laios
in gefärbtem Blech und als Raser
mit einer ganzen Autobahn an Sünden,
angesparte Herzen, im Brumaire zu Paaren
gebündelt und gleich ins Feuer damit

 

dauert, misset nicht unglücklich der Mensch sich

Miss Drawert ist als Oma noch ein Menschenkind.
Nimm den Dienst an einem staubigen Bett als
Stolperstück über jede Stufe einer
unnützen Landschaft. Ich weiss nicht warum
du dich bedauerst. Das Unglück ist ein Muskel



mit der Gottheit.

mittlere Gotik, dieses Meistermass
am Fenster. Dahinter ein Jesu-
salem, aus toten Sprachen gemacht.
Der Gott ist zweiundzwanzig Zentimeter
lang, man kann ihn schrauben,
nicht dübeln, der Teufel sei davor
Ihn (beide) heute nicht mehr zu verbieten,
dafür die Stadt bei den Ohren nehmen



Ist unbekannt Gott? Ist er offenbar wie die Himmel?

und einmal alle Tore durchgezwiebelt.
Man raucht Zigaretten aus Erde mit
Himbeergeschmack. Und alles
in Abkürzungen von unbekanntem
Filigran. Der Sohn des Korns
ist diesmal kein Laios sondern Fibonacci.
Nun, das schmeckt halt nach meinem
gutmütigen Atem und man sät es
in Wut, damit eine dumme Pflanze wächst,
gedüngt mit Stimmen schlängelt sie
sich nach oben, bis sie an den Himmel
kratzt. Im Kino

 

dieses glaub’ ich eher. Des Menschen Maaß ist’s.

und Männchen machen für eine Prise
Glaubersalz, für Herrn Ferz und
seine Maastrichter Gesellen. Don Negrito,
eher mittelfristig was zu fressen, aber
es wird schon. Man hat Papiere,
im Himmel stimmts, wenn und wenn.
Sonst glaube man das Gleichheitszeichen
und setze überall Uhuru Uhuru,
besonders vor ein gebacken
Ishtar-Tor. Der wüste König
Ödipus



Voll Verdienst, doch dichterisch,

der Ich, der Ich, der diente paarmal in 3-D.
Das volle Rohr war bei ihm
weit draußen angebracht, er bedeckte es
mit Zetteln. Seinerzeit?
Ja. Später dann korrekt, mit Docht
und allem



wohnet der Mensch auf dieser Erde. Doch reiner

doch da es immer reiner und dichter wird
auf diesen Kerlen, kriegt man kaum
die Seife auseinander. Faustgroße Flöhe,
die Erde fressen und Menschen aus Lehm,
aus Grütze, geformt von einem Turm. »Bei
den Pyrmiden von Malpighi ...« Schlag ein,
hier die Behausung von Holder,
zwischen den Beinen fließt was,
ein Neckar, hervor.
qed



ist nicht der Schatten der Nacht mit den Sternen,

und auch so ein Nackter, ein Neckar-Schotte zerfällt
in eine helle und eine dunkle Kontur. Die Formen
verschmelzen nachts mit dem Pflaster,
wenn es zwölf schlägt, ist die Grafschaft
schon tot. Und an der Stirn der Nacht
siehst du die Locke



wenn ich so sagen könnte,

der Verzicht auf ein Wenn wöge schwer,
man tut sich nichts an. Dort, wo es
schmerzt, war einer tätig,
ein Könner, ein Ichso,
so sagen die Schotten
den Sachsen und: gute Nacht



als der Mensch, der heißet ein Bild der Gottheit.

le pauvre Blindling sah nichtmal
jetzt über die Au, verdattert von
Dornen, dem brennenden Busch,
Steinbrech dann im Bereich Tafel D.
Das auf dem Bauch liegende Doppel D.
In-door-Sinai. Heißenbüttel lockt schon
lange als Mannsbild ins Jenseits, den einen
Ärmel schön gebügelt und leer. Zwar.
Dortiges Geziefer trinkt den Saft
aus der Wolke, sie melken Gott,
wenn der nicht gerade ein einbeiniges
Bildnis meißelt, der Habilis zieht
die Fäden und so bleibt es dabei



Secondary menu

KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954