weder nebulae – ein paar reben?

Holger Steinmann

 

diese stücke hier keimten aus freien stücken im nachtschatten: nebelstücken nicht ungleich. der strich, der die stücke zu zweien zerstückt -- und sie so zusammenfügt -- markiert die übergabe des textes an eine bestimmte befehlsumgebung des satzprogramms \LaTeX, die dazu bestimmt gewesen war, dem absatz eine gewünschte form zu geben; hier aber verunformt es die sätze und spielt entroutine und chance gegen den strich aus.

 

 

I.

übergabe des textes: als user der wohl meisten textverarbeitungs- und satzprogramme, ist man daran gewohnt, den eingegebenen text in etwa der form auf dem display zu sehen, wie er auch auf papier ausgegeben wird -- das bekannte prinzip what you see, is what you get. in \LaTeX hingegen wird der text mit befehlen durchsetzt, durch die seitenlayout, formatierung, textauszeichungen festgelegt werden. kursiv zum beispiel heißt „\textit{kursiv}“, mit „\rotatebox[origin=c]{234}{kursiv}“ kann ich das wort kursiv gradgenau und mittenzenriert drehen (im beispiel um 234°) etc. mit dem befehl ,pdflatex‘ wird der quelltext dann in eine pdf geschrieben -- kursiv sieht dann auch wieder kursiv aus. den absatz in eine bestimmte form bringen: dazu setzt man drei parameter; mit „\parshape 70 0.1\varunit 0.8\varunit“ setze ich fest, auf wie viele zeilen sich der befehl beziehen soll (hier 70), die anderen beiden werte geben den anfangspunkt der ersten zeile und die länge derselben an. die werte müssen nun natürlich noch weitere 69 mal hintereinander angegeben werden. ich habe diese funktion jetzt aber gerade nicht angewendet, um pfeile, häuser, kästen, tassen, gläser, schränke, flußläufe etc. nachzubilden, sondern vielmehr die parameter willkürlich/unwillkürlich gesetzt (und immer wieder neugesetzt) -- die jeweils ersten werte auch gerne negativ, so daß die zeile schon vor dem standardisierten zeilenbeginn beginnt. kombiniert mit ein oder auch zwei anderen befehlen, kamen dann die verunformungen zustande, die hier zu sehen sind und die entroutine und chance gegen den strich ausspielen. jede pdf-ausgabe bot ein neues gesicht -- und geschicht, und wenn gut war, war gut? zumindest: endroutine, die zum halten kam aus müdigkeit, falschem entzücken (das nur dann, wenn es falsch, richtig war) und ungleichgültigkeit -- oder es war doch ein stop aus stand und lauf… und sand?

 

II.

was ich aber eigentlich sagen wollte: diese stücke hier keimten aus freien stücken im nachtschatten: nebelstücken nicht ungleich. sie wurden erst etwas, wenn sie kaum noch von mir -- und mir etwas -- waren, also obiecta, vor-geworfenes wurden.  was blieb, ist zerbrochenes blankgerüst, abgescheuertes (bisweilen bescheuertes), abgewetztes. ein bißchen muteten mir diese texte als abgeschlagene hände an, und sie zierten sich auch so, hände, die nicht nur zucken, sondern weitermachen -- unausgesetzt -- für sich -- womit? schreiben, weil es geht -- ohr, sich eine sonne zu schneiden -- weil es geht. wohin? es fallen die blüten, obwohl wir es bedauern, und es wächst das unkraut, obwohl es uns nicht gefällt.