# 002/ Rubik’s Cube


Wer hätte das gedacht?

Martin Lechner


Dass es keinen Zufall gebe, bezogen auf was für einen Zusammenstoß auch immer, zum Beispiel gestern, als ich um die Ecke und so weiter, das ist der Satz, mit dem eine Notwendigkeit herbeigesprochen werden soll, auf der sich biografisch ruhen lässt. Glaubwürdigkeit gewinnt der Satz als Satz einer Geschichte, denn in Geschichten ist nichts so unglaubwürdig wie der Zufall. Und umgekehrt natürlich nichts wunderbarer als ein glaubwürdiger Zufall. Der unglaubwürdige Zufall hingegen läuft Gefahr, der gesamten Geschichte ihre Glaubwürdigkeit zu entziehen. So dass sie gähnend ins Regal geschoben wird. Während der Schock eines wirklichen Zufalls, falls es ihn gibt, uns in einer Weise weckt wie sonst im Leben nichts. Dagegen wird die Wahrscheinlichkeit gesetzt, die Verniedlichung des Zufalls zur Kommazahl. Hinzu kommt die Aufzählung und Festschreibung einiger Ursachen, die dem Rückschauenden dient, sich vom Zufallsschauer zu befreien. Angefangen bei den Schwärmen huschender Spermien, die zu Millionen im Dunkel verenden, bis hin unserem Zusammenstoß gestern, als du um die Ecke und so weiter. Und die dem so gar nicht hilft, der eine Entscheidung treffen muss. 

 


 

Bridgette & Ivo

Martin Lechner / Milo Pablo Momm



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KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954