# 002/ Rubik’s Cube


Un Coup de dés (rubik's cube)

Aurélie Noury

Zehn Zauberwürfel hat die französische Künstlerin Aurélie Noury mit Fragmenten aus Stéphane Mallarmés Gedicht Un coup de dés jamais n’abolira le hasard bedruckt:

 

  • 3x »un coup de dés jamais n'abolira le hasard«
  • 1x »quand bien même lancé dans des circonstances éternelles«
  • 1x »le nombre existât-il commençât-il et cessât-il«
  • 1x »dernier qui le sacre Toute pensée émet un coup de dés«
  • 1x »d'anciens calculs où la manoeuvre avec l'âge oubliée«
  • 1x »n'aura eu lieu une élévation ordinaire vers l'absence«
  • 1x »excepté à l'altitude peut être aussi loin qu'un endroit«
  • 1x »la coque d'un bâtiment penché de l'un ou l'autre bord«

 

Bestellt man einen der Würfel bei der Künstlerin, dann erhält man ihn eingepackt in Papier, und dieses Papier scheut man sich zu entfernen. Denn auf ihm prangt die Signatur der Künstlerin. Aurélie Noury eignet sich den Mallarmé-Text an, sie macht seinen Text zu ihrem und findet einen neuen Ausdruck für dessen Textprinzip der zufällig übers Blatt verstreuten Verse.

Würde man das Papier entfernen und den Würfel drehen, würde man das Werk der Künstlerin enteignen und gleichsam selbst zum Künstler werden. Was entsteht, ist also eine dreifache Spannung zwischen diesen Ebenen: dem Original-Mallarmé-Text, der Neuschöpfung durch Noury, und dem Betrachter, dem freigestellt ist, den Würfel auszupacken, selbst zum Schöpfer zu werden, oder den Text in seiner vorgegebenen Form zu belassen.

Geraten die Würfel in Bewegung, könnten sie einen Effekt erzielen, den Per Hoejholt in seinem Aufsatz Mallarmé-Kontroverse auf das Gedicht bezogen hat: »Die Textflächen werden als Masken erlebt, sie sind ein Nichts, maskiert als etwas, das ein Nichts beschreibt. Die Metaebene in ihnen entspringt also nicht den Reflexionen des Schreibers über Schreibkunst und Poesie, sondern der Tatsache, daß sie sind oder im Begriff sind zu werden, was sie beschreiben. Indem sie von sich handeln, werden sie zu einer Aussage über das Nichts.«   

(Quelle: Per Hoejholt, »Der Kopf des Poeten«, Straelener Manuskripte 1998)

 

Fotos und Kommentar: Tobias Amslinger / Norbert Lange



Secondary menu

KARAWA.NET ERSCHEINT EIN MAL IM JAHR / ISSN 2192-1954